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Empreintes
2010
Zerstörungshorizont mit seiner Hacke das Zentralmedaillon
eines intakten Mosaiks unbeabsichtigt beschädigte (Abb. 4).
Die in der Nähe des Hauses von Xavier Petry gelegenen
römischen Gebäudereste, einer axial ausgerichteten doppel-
flügeligen Palastvillenanlage, wurden rasch freigelegt. Amts-
hilfe leistete der Trierer Museumsdirektor Prof. Krüger. In
zwei freigelegten Räumen des östlichen Flügels fanden sich
mehrfarbige Mosaiken.
Das kleinere, fast quadratische, gut erhaltene und fälsch-
licherweise ins dritte Viertel des 2. Jh. n. Chr. datierte
„Löwen“-Mosaik 6
in Raum 2 maß 3,59 x 3,13m. Nach dem
Bau des Schutzraumes erfolgte eine erste Restaurierung „in
situ“ durch den Präparator Erang vom Provinzialmuseum
Trier zwischen Ende April und Anfang Mai
1930 7.
Zur Auf-
füllung der Fehlstellen des Paviment verwendete er aufgele-
sene Originalmosaiksteinchen aus dem nebenan liegenden
„Apsis“-Mosaik und Villeroy&Boch Bodenfließen.
Der Erhaltungszustand des im benachbarten Hauptraum 1
vorgefundenen ca. 4 x 9 m großen „Apsiden“-Mosaik war
wesentlich schlechter. Im Hohlraum der eingestürzten Hypo-
kaust anlage lag der zerbrochene Rest des einst mal sehr reich
gestalteten Mosaiks. Vielleicht gehörten die beheizten Räume
zu einer Thermenanlage. Erhalten hatte sich das in Schwarz-
Weiß-Komposition ausgeführte Apsisfeld von ca. 2,60 m im
Radius, welches nicht mit einer Bodenheizung ausgestattet
war. Der halbrunde Anbau war durch ein kunstvolles Ranken-
geflecht als Schwellenboden vom Hauptteil abgetrennt. Auch
Teile des Hauptfeldrahmens in Form eines lang gestreckten
abgeschnittenen Muschelrandes sind auf dem Grabungsfoto
zu erkennen. Die Apsis war aus einer zweireihigen Borte abge-
treppter schwarzer Dreiecke und einem schwarzen Band mit
weißen Kreuzsternen umgeben. In dem, mit verschränkten
Kreisen gefüllten Mittelfeld zierten schwarze Kreuzsterne die
weißen
Zwischenräume 8.
Um das erhaltenswerte „Löwen“-
Mosaik zu schützen wurde über diesem 1928 ein Schutzraum
und obenauf ein Pavillon errichtet. Leider zerstörte die Fun-
damentierung des Schutzraumes größtenteils die freigelegten
Reste des mehrfarbigen Mosaiks im Hauptraum
1 9.
Zum
Glück konservierte der aufgeschüttete Bahndamm wenigstens
einen kleinen Mosaikabschnitt in der Apsis.
Projektierte Baumaßnahmen, wie der Abriss des Schutzbau-
es, an der Esplanade
1950/51 10
boten eine gute Gelegenheit
altbekannte und neue römische Funde freizulegen und zu
bergen (Abb. 5). Nach der erfolgreichen Hebung 1950/1951
erfolgte eine neuerliche Restaurierung des „Löwen“-Mosaik
durch Pierre Kieffer aus dem Nationalmuseum und im Juli
1956 die Verlegung in das neu geschaffene „Musée municipal
des mosaïques romaines“.
Die oben genannte Grabung als begleitende Baumaßnahme
an der Esplanade führte auch zur Aufdeckung des Mosaiks
mit einer Vexiermaskendarstellung (Umkehrbild oder Wen-
dekopf) aus der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts (Abb. 6). Das
in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Löwen“-Mosaik im
"Charly" wurde benannt nach dem Generaldirektor der öffentlichen Bauten,
Charles Rischard. Der Diekircher "Benny" war anfänglich auch ein Jangeli. Als
1925 zwei Benzin-Triebwagen eingesetzt wurden wurde er umbenannt. (Benzin
= Benny). Das insgesamt 150 km lange Netz von schmalspurbahnen bestand
zum größten Teil aus isolierten Linien.“.
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Parlasca 1959, s. 19: „An den beiden schmalseiten sind dem quadratischen
Hauptteil des Bodens zwei Ausgleichsstreifen vorgesetzt, die mit je zwei Reihen
kontinuierlicher U-Haken verziert sind. Der Hauptteil des Bodens zeigt in kas-
settenartiger Gliederung große und kleine quadrate, die, mit Rechtecken ab-
wechselnd, von durchlaufenden, schwarzen Linien getrennt werden. in der Mitte
des Raumes befindet sich, von Mäanderhaken umrahmt, ein jetzt stark beschä-
digtes Bildfeld. Dargestellt ist ein nach links gewendeter Löwe. Die acht großen
quadrate enthalten vier sich paarweise wiederholende Rosetten, die Rechtecke
ein einfaches schwarz-weißes Rautenmuster, während in die kleinen quadrate
übereck weitere kleinere quadrate gesetzt sind… Das Mosaik von 1926 ver-
tritt außerdem eine Entwicklungsstufe, in der die durch bunte Rosetten belebte
schwarz-Weiß-Komposition durch ein kleines, zentrales Bildfeld bereichert
wird. Dieser Vorgang ist seit dem zweiten Viertel des 2. Jh. zu belegen, doch
dürfte das Diekircher Beispiel nicht zu den frühesten gehören. Deshalb erscheint
ein Ansatz in das dritte Viertel des 2. Jh. n. Chr. am wahrscheinlichsten.“.
Arendt 1877, s. 3: „Peu après, en 1853, des fouilles exécutées à itzig mirent à
jour la charmante mosaïque à deux tons (fig. 10, pl. iii, reproduite d’après un
dessin conservé au musée. ».
Rebetez 1997, s. 70
Katalog der römischen Mosaike aus Trier und dem Umland 1999; Tafel 18 (Kat
31); Tafel 51 (Kat 96); Tafel 77 (Kat 114); und Tafel 97 (Kat 156).
Parlasca 1959, Tafel 50 Woodchester/E.
in dem «Documents du Musée romain d’Avenches, 1997 » ist auf s. 70 ein
vom Aufbau her ähnliches schwarzweißmosaik (Mosaïque à frise de laurier)
abgebildet. Datierung: 2. Hälfte 3. Jh. n. Chr.
7
olinger 1941, s. 18 ff
8
Ein vom Aufbau vergleichbares mehrfarbiges Mosaik wurde 1825 in den
Gebäuderesten der römischen Villa otrang, „Weilerbüsch“ bei Bitburg ent-
deckt. Freigelegt und konserviert kann das aus dem Anfang des 3. Jh. n. Chr.
stammende ornamentale, mit pflanzlichen und figürlichen Motiven verzierte
Mosaik vor ort unter einem schutzbau besichtigt werden (Parlasca 1959 und
Hoffmann u. a. 1999, Tafel 111).
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Der östliche Bereich der Grabung wurde bis hin zur Bahntrasse der Kantonalbahn
wieder zugeschüttet und eingeebnet. 1980 konnte zur großen überraschung
der Ausgräber (Grabungsleitung Herr Hess vom Nationalmuseum) nur das un-
ter der ehemaligen Bahntrasse gelegene kleine Fragment der Apsis geborgen
werden. Der große Rest des Mosaiks war verschwunden. Die Ausgräber hatten
nach den alten Aufzeichnungen allen Grund die gesamte Grabungssituation
von 1926 wieder vorzufinden. Jedoch wurde meiner Meinung nach der zwi-
schen den Hypokaustpfeilern eingestürtzte Mosaikboden schon 1926 komplett
freigelegt, ausgeräumt, alle Mosaikfragmente und Tesselae eingesammelt und
der verbliebene Rest später beim Bau des schutzraumes größtenteils zerstört.
Vielleicht wurden aber auch 1950/51 bei der neuerlichen Verortung unwis-
sentlich die verbliebenen Reste des Mosaiks zerstört oder Fragmente des
Apsismosaik zeitgleich mit dem nebenan liegenden Löwenmosaik geborgen
und in ein Depot verlegt.
Von Herrn Molitor (Restaurator im Nationalmuseum) 1982 restauriert, gelangte
auch dieses Mosaikfragment anschließend in die Kellerräume der Knabenschule.
10
Herr 1985, s. 36 ff