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sind an dieser Stelle Keile aus einer glasfaserverstärkten
Zweikomponenten-Epoxid-Masse zum Einsatz gekommen.
Auch die Keile müssen so angebracht werden, dass sie sich
wieder entfernen lassen ohne Schaden anzurichten. Sie fül-
len Hinterschneidungen in der Krone, an Gesicht und Hals
der Muttergottes und an ihrem Gewand aus. Ebenso den
Bereich zwischen und unter den Armen des Jesuskindes, in
denen sich die Stützkapsel verhaken könnte. Die Trennnähte
in der Vorderseite der Stützkapsel verlaufen nun senkrecht
über die Mitte der Front und waagerecht über den rechten
Arm der Muttergottes und den Kleidersaum des Jesuskindes.
Die Unterseite des Kleides des Jesuskindes wird von einem
separaten Kapselteil gebildet. Weitere Trennnähte folgen
den bereits im Silikon gesetzten Trennungen über Kopf und
Arme des Jesuskindes und verbinden die Enden an den Hän-
den miteinander. An der linken Seite des Jesuskindes verläuft
eine senkrechte Trennnaht und eine letzte Trennung muss
über die linke Schulter der Muttergottes, die rechte Schulter
des Jesuskindes bis zu der senkrechten mittleren Trennnaht
verlaufen. Auch entlang dieser Trennnähte werden Trenn-
wände aus Plastilin aufgesetzt. Es entsteht, zusammen mit
der Rückseite, eine 10-teilige Stützkapsel (Bild 4).
Der für die Stützkapsel verwendete faserverstärkte Zweikom-
ponenten-Kunststoffspachtel wird im Freien verarbeitet, da
der Härter gesundheitsschädliche Dämpfe abgibt, die sich
in einem geschlossenen Raum schnell zu einer gesundheits-
gefährdenden Menge konzentrieren können. Es wird je ein
Teil der Stützkapsel vollständig aus dem Kunststoffspachtel
angefertigt. Nach dem Aushärten werden die umstehenden
Plastilinwände abgenommen und die Trennwände des Kap-
selteils mit Formenwachs bestrichen, um die spätere Tren-
nung zu ermöglichen. Auf diese Art wird ein Kapselteil nach
dem anderen aufgebaut.
An die Stützkapsel werden um den Kopf der Muttergottes
herum breite Eisenbänder eingearbeitet. Auf diesen Eisen-
bändern wird die Form stehen, wenn sie für den Ausguss um-
gedreht wird. Die einzelnen Teile der Stützkapsel werden an
den Trennwänden entlang der Trennnähte durchbohrt und
miteinander verschraubt, um sie für den Guss zusammen zu
halten.
Das Abnehmen der Form von der Figur erfolgt nun in umge-
kehrter Reihenfolge. Zuerst werden alle Teile der Stützkapsel
entfernt, danach die Keile und schließlich die beiden Teile
der Silikonhaut abgenommen. Die Form wird im nächsten
Schritt wieder zusammengesetzt und kopfüber, mit Hilfe der
Eisenbänder in der Stützkapsel, auf einer Palette verschraubt.
Die Keile in der Stützkapsel werden mit Schrauben befestigt,
um sie an ihrem Platz zu fixieren, da ihnen nun der Halt
durch die Figur fehlt. Die Silikonhautteile werden in die Teile
der Stützkapsel gelegt und die einzelnen Kapselteile wieder
zusammengeschraubt. Da die Form während des Ausgusses
ein hohes Gewicht halten muss, werden zusätzliche Stützen
aus Eisenbändern angebracht.
Die so präparierte Form ist nun für den Guss einer Kopie
bereit. Die Kopie selbst wird aus einem Gemisch aus Ulmer
Kalk und handelsüblichem weißem Zement gegossen.
Der zuvor angefertigte Kern aus Hartschaumplatten wird in
die Form gesetzt und durch ein quer über die Öffnung der
Form geschraubtes Brett fixiert. Der Kern wird später einen
so starken Auftrieb haben, dass er ohne diese Fixierung aus
der Form herausragen würde. Als Gussmaterial wird ein
Gemisch aus Ulmer Kalksand und weißem Zement im Ver-
hältnis 5:1 verwendet, das mit Wasser angerührt wird. Dieser
Sand-Zement-Brei wird nach und nach bis zum Rand in die
Form gegossen und darin mit langen Stangen gründlich ein-
gestampft, um die Luftblasen aus dem Material zu entfernen.
Bild 7 Entlang der mit Plastilin gesetzten Trennwände werden die Stützkapsel-
teile aus Epoxi-GF-Spachtel aufgebaut, Foto MNHA, 2013.