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Graffiti auf Terra Sigillata-Gefäßen aus
Trier 38
sowie vor
allem die diversen, in den Verputz eingeritzten Christo-
gramme aus der frühchristlichen Kirchenanlage unter
Lieb frauen in
Trier 39.
Bei den spätantiken Tonlampen mit
Christogramm handelt es sich um Importstücke aus dem
Mittelmeerraum 40.
Aus Luxemburg waren bisher erst drei Kleinfunde der
Spätantike bekannt, auf denen Christogramme dargestellt
sind. Bereits 1980 hatte R. Weiller einen kleinen bronzenen
Siegelring publiziert (Abb. 11), der kurz zuvor von einem Pri-
vatsammler in Dalheim-„Pëtzel“ gefunden worden war und
der auf der nur 1,15 cm großen, runden Schmuckplatte ein
spiegelbildliches Christogramm über einem Schiff (oder ei-
nem Thron ?)
zeigt 41.
Zu diesem besonderen Schmuckstück
wurde im Katalog der Trierer Konstantin-Ausstellung von
2007 eine ausgezeichnete Parallele publiziert, die vermutlich
vom Balkan
stammt 42.
Bereits Ende der 1980er Jahre entdeckte der Verfasser in den
Altbeständen des Luxemburger Museums einen Spielstein
aus Bein (Abb. 12) von 3,2 cm Durchmesser und 0,29-0,44 cm
Dicke (MNHA Inv. 1900-2/964), der auf der polierten Ober-
seite ein nur flüchtig eingeritztes Christogramm von 2,9 cm
Höhe trägt. Es handelt sich dabei vermutlich um einen Fund
der zweiten Hälfte des 19. Jahr hunderts, ebenfalls aus Dal-
heim (ehem. Sammlung E. Dupaix
?) 43.
Das dritte Stück ist
gleichfalls ein Altfund (Abb. 13), welcher erst im März 2006 in
den alten Glasbeständen des Luxemburger Museums aufge-
spürt und dann nachinventarisiert wurde (MNHA Inv. 2006-
17). Auf der unteren, noch 1,05 cm hohen Hälfte eines in
einer Form gepressten (oder gegossenen) Spielsteins (Durch-
messer: 1,77 cm) aus kornblumenblauer, leicht transparenter
Glaspaste ist im von einem wulstigen Rand (Höhe: 3 mm)
umgebenen, um 0,8 mm vertieften Feld etwa die Hälfte
eines Christogramms erhalten, welches in einen feinen Kreis
eingeschrieben
war 44.
Die genaue Provenienz dieses sicher
Luxemburger Stücks ist nicht mehr zu ermitteln.
Als Ziegelstempel war das Christus-Monogramm in den
nordwestlichen Provinzen des römischen Reiches bisher of-
fenbar nur in Straßburg belegt (Christogramm mit A und Ω,
in
Spiegelschrift) 45.
Die präzise Zeitstellung der Straßburger
Stempel (zweite Hälfte 4. / 5. Jh. ?) ist nicht
gesichert 46.
Ein
im südgallischen Arles gefundenes Bruchstück mit einem
Stempel der Ziegelei „CLAVD/IANA“ (Abb. 14), zeigt in der
Mitte zwischen den Buchstaben der ersten Zeile ein Chri -
stogramm. Dieses Fragment, welches wahrscheinlich aus der
frühchristlichen Nekropole der Alyscamps in Arles stammt,
wird vermutungsweise ins 5. Jahrhundert
datiert 47.
Ansonsten
scheint das Christogramm als Bildmotiv nur auf Ziegelplat-
ten des 4. - 7. Jh. aus dem Mittelmeerraum
vorzukommen 48.
Abb. 11 Bronzefingerring aus Dalheim-„Pëtzel (© MNHA)
Abb. 12 Beinerner spielstein aus Dalheim-„Pëtzel (© MNHA)
Abb. 13 spielstein aus hellblauer Glaspaste (© MNHA)