Full text: Empreintes 03

73 
Empreintes 
2010 
Als abschließende Etappe wurden die durch Brandeinwir- 
kung und Feuchtigkeit destabilisierten Mosaiksteinchen mit 
verdünntem Dispersionsklebstoff gefestigt. Hierzu konnte 
anhand der am Anfang der Restaurierungsarbeiten erstellten 
Schadenskartierung problemlos die betroffenen Zonen ermit- 
telt werden. Als Oberflächenschutz sorgt nun ein hygrosko- 
pischer Wachsfilm für ausreichenden Schutz vor atmosphäri- 
schen Einflüssen (Abb.	13) 
MUSTERKATALOG 
Mosaiken 15 
oder farbige Steinteppiche entstehen durch das 
Zusammensetzen von kleinen verschiedenfarbigen Stück- 
chen, den Tesserae auf ein Trägermaterial. Das kann der Est- 
rich, die verputzte Wand oder eine Aluminiumwabenplatte 
sein. Die Mosaiksteinchen bestehen aus unterschiedlichem 
Material, wie z.B. Glas, Keramik, Naturstein oder 
Ton 16. 
Die 
Stärke des farbigen Mosaiks liegt in seiner Fernwirkung. Im 
Detail erreicht sie naturgemäß nicht die Feinheit von Wand- 
malereien. Jedoch liegt in der Haltbarkeit der Bodenmosa- 
iken ein unbestreitbarer Vorzug. Und in der Kombination 
und in dem Kontrast mit den detailreichen Wandmalereien 
liegt der große Reiz der römischen Innenarchitektur. Leider 
wird dem in vielen Museen „ausstellungsgestalterich“ keine 
Rechnung getragen. 
Der schnelle Aufstieg Triers von der Provinzhauptstadt zur 
Kaiserresidenz im 3. und 4. Jh. n. Chr. förderte u. a. die Auf- 
tragslage der ortsansässigen und umfangreich vertretenen 
Gewerke, wie Handwerker, Künstler und Architekten. Die 
gebildeten und vermögenden Villenbesitzer im Trierer Um- 
land eiferten dem Luxus der „Städter“ nach und schmück- 
ten ihre Landhäuser ebenso reich wie 
kunstvoll 17. 
Hierzu 
benötigten sie spezialisierte Handwerker, wie z.B. den pictor 
imaginarius, tesselarius und musaevarius, die selbstverständlich 
in der „großen“ Stadt zu finden 
waren 18. 
Die Spezialisten, 
zumeist griechischer 
Herkunft 19, 
arbeiteten im Werkstatt- 
verbund. Der Arbeitsaufwand in der Werkstatt und auf der 
„Baustelle“, die Verschiedenheit der Einzelvorgänge von 
Abb.	9	und	10		Verschmutztes Feld vor der Reinigung und nach der Ergänzung der antiken Fehlstellen. Die Brandeinwirkungen haben die steinchen partiell regelrecht 
pulverisiert. 
11 
 Parlasca 1959, s. 20: „Der gleichfalls sehr gut erhaltene Mosaikboden ist 
von einer Borde abgetreppter Dreiecke umgeben. seine innenfläche glie- 
dert sich in einen reicheren, quadratischen Hauptteil und zwei gleichartige 
Rechteckvorlagen aus schräg gestellten schwarzen und weißen Vierecken. 
Der Hauptteil zeigt ein kontinuierliches Flechtband, dass an den Ecken mit 
Rosetten verzierte quadrate bilden. Diese weisen wie alle anderen Felder 
noch eine besondere zahnschnitteinfassung auf. An den seitenmitten befin- 
den sich schmale Rechtecke mit aufeinander gestellten Dreiecken bzw. einem 
Rautenpaar. Dem verbleibenden, kreuzförmigen Mittelstück ist ein großes 
übereck gestelltes Flechtbandquadrat eingefügt, in das in gleicher Weise 
ein kleineres quadrat eingesetzt ist. Die äußeren Dreiecke füllen kleinere 
schwarzweiße Dreiecke, während die inneren Dreieckszwickel mit stilisierten 
Herzblattornamenten verziert sind. in der Mitte ist eine Vexiermaske dargestellt, 
die, von zwei gegenüberliegenden seiten betrachtet, verschiedene Gesichter 
hat. in den Ecken sieht man V-förmige Winkel. 
12 
 Fischer 1969, s. 141 ff 
13 
 Mowilith D 025/1, Polyvinylacetat 
14 
 Aerolamepaneele EC-Pi 136 AE/PL (35mm) der Firma Euro-Composites aus 
Echternach. Die Deckhaut aus Epoxydharz umschließt beidseitig die chroma- 
tierte Aluminium Wabe. 
15 
 Fischer 1969, s. 6 ff 
16 
 Wie breit gefächert die überregionale Verwendung von steinmaterial und 
Terra sigillata ausfällt, zeigt als lokales Beispiel das 60qm große römische 
Musenmosaik in der Dauerausstellung des Nationalmuseums für Geschichte 
und Kunst. Das im Jahre 1994 in Vichten entdeckte gut erhaltene Mosaik, mit 
Homer und seiner Lieblingsmuse Calliope im zentralmedaillon, datiert in die 
Mitte des 3. Jhs. n. Chr. 
17 
 siehe die Ausstellungskataloge „Die Römer an Mosel und saar“ 1983, „Trier – 
Augustusstadt der Treverer“ 1984 und „Trier – Kaiserresidenz und Bischofssitz“ 
1984. 
18 
 Rebetez 1997, s. 16 ff 
19 
 Fischer 1969, s. 35: „Plinius hatte also, ohne etwas von der orientalischen 
Archäologie zu wissen, doch recht mit der Feststellung (Hist. Nat. XXXVi 184): 
„Die Pflasterböden (pavimenta), die kunstvoll in der Art eines Bildes ausge- 
führt sind, haben ihren Ursprung bei den Griechen.““.
	        
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