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Empreintes
2010
Als abschließende Etappe wurden die durch Brandeinwir-
kung und Feuchtigkeit destabilisierten Mosaiksteinchen mit
verdünntem Dispersionsklebstoff gefestigt. Hierzu konnte
anhand der am Anfang der Restaurierungsarbeiten erstellten
Schadenskartierung problemlos die betroffenen Zonen ermit-
telt werden. Als Oberflächenschutz sorgt nun ein hygrosko-
pischer Wachsfilm für ausreichenden Schutz vor atmosphäri-
schen Einflüssen (Abb. 13)
MUSTERKATALOG
Mosaiken 15
oder farbige Steinteppiche entstehen durch das
Zusammensetzen von kleinen verschiedenfarbigen Stück-
chen, den Tesserae auf ein Trägermaterial. Das kann der Est-
rich, die verputzte Wand oder eine Aluminiumwabenplatte
sein. Die Mosaiksteinchen bestehen aus unterschiedlichem
Material, wie z.B. Glas, Keramik, Naturstein oder
Ton 16.
Die
Stärke des farbigen Mosaiks liegt in seiner Fernwirkung. Im
Detail erreicht sie naturgemäß nicht die Feinheit von Wand-
malereien. Jedoch liegt in der Haltbarkeit der Bodenmosa-
iken ein unbestreitbarer Vorzug. Und in der Kombination
und in dem Kontrast mit den detailreichen Wandmalereien
liegt der große Reiz der römischen Innenarchitektur. Leider
wird dem in vielen Museen „ausstellungsgestalterich“ keine
Rechnung getragen.
Der schnelle Aufstieg Triers von der Provinzhauptstadt zur
Kaiserresidenz im 3. und 4. Jh. n. Chr. förderte u. a. die Auf-
tragslage der ortsansässigen und umfangreich vertretenen
Gewerke, wie Handwerker, Künstler und Architekten. Die
gebildeten und vermögenden Villenbesitzer im Trierer Um-
land eiferten dem Luxus der „Städter“ nach und schmück-
ten ihre Landhäuser ebenso reich wie
kunstvoll 17.
Hierzu
benötigten sie spezialisierte Handwerker, wie z.B. den pictor
imaginarius, tesselarius und musaevarius, die selbstverständlich
in der „großen“ Stadt zu finden
waren 18.
Die Spezialisten,
zumeist griechischer
Herkunft 19,
arbeiteten im Werkstatt-
verbund. Der Arbeitsaufwand in der Werkstatt und auf der
„Baustelle“, die Verschiedenheit der Einzelvorgänge von
Abb. 9 und 10 Verschmutztes Feld vor der Reinigung und nach der Ergänzung der antiken Fehlstellen. Die Brandeinwirkungen haben die steinchen partiell regelrecht
pulverisiert.
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Parlasca 1959, s. 20: „Der gleichfalls sehr gut erhaltene Mosaikboden ist
von einer Borde abgetreppter Dreiecke umgeben. seine innenfläche glie-
dert sich in einen reicheren, quadratischen Hauptteil und zwei gleichartige
Rechteckvorlagen aus schräg gestellten schwarzen und weißen Vierecken.
Der Hauptteil zeigt ein kontinuierliches Flechtband, dass an den Ecken mit
Rosetten verzierte quadrate bilden. Diese weisen wie alle anderen Felder
noch eine besondere zahnschnitteinfassung auf. An den seitenmitten befin-
den sich schmale Rechtecke mit aufeinander gestellten Dreiecken bzw. einem
Rautenpaar. Dem verbleibenden, kreuzförmigen Mittelstück ist ein großes
übereck gestelltes Flechtbandquadrat eingefügt, in das in gleicher Weise
ein kleineres quadrat eingesetzt ist. Die äußeren Dreiecke füllen kleinere
schwarzweiße Dreiecke, während die inneren Dreieckszwickel mit stilisierten
Herzblattornamenten verziert sind. in der Mitte ist eine Vexiermaske dargestellt,
die, von zwei gegenüberliegenden seiten betrachtet, verschiedene Gesichter
hat. in den Ecken sieht man V-förmige Winkel.
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Fischer 1969, s. 141 ff
13
Mowilith D 025/1, Polyvinylacetat
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Aerolamepaneele EC-Pi 136 AE/PL (35mm) der Firma Euro-Composites aus
Echternach. Die Deckhaut aus Epoxydharz umschließt beidseitig die chroma-
tierte Aluminium Wabe.
15
Fischer 1969, s. 6 ff
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Wie breit gefächert die überregionale Verwendung von steinmaterial und
Terra sigillata ausfällt, zeigt als lokales Beispiel das 60qm große römische
Musenmosaik in der Dauerausstellung des Nationalmuseums für Geschichte
und Kunst. Das im Jahre 1994 in Vichten entdeckte gut erhaltene Mosaik, mit
Homer und seiner Lieblingsmuse Calliope im zentralmedaillon, datiert in die
Mitte des 3. Jhs. n. Chr.
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siehe die Ausstellungskataloge „Die Römer an Mosel und saar“ 1983, „Trier –
Augustusstadt der Treverer“ 1984 und „Trier – Kaiserresidenz und Bischofssitz“
1984.
18
Rebetez 1997, s. 16 ff
19
Fischer 1969, s. 35: „Plinius hatte also, ohne etwas von der orientalischen
Archäologie zu wissen, doch recht mit der Feststellung (Hist. Nat. XXXVi 184):
„Die Pflasterböden (pavimenta), die kunstvoll in der Art eines Bildes ausge-
führt sind, haben ihren Ursprung bei den Griechen.““.