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Empreintes
2010
In der Nord-Süd-Mauer befanden sich mit Ausnahme eines
schmalen Durchganges von ca. 0,80 m Breite keine weiteren
Durchlässe. Die Südmauer war an drei Stellen unterbrochen.
Zwei der drei Mauerunterbrechungen können sicher als Stra-
ße interpretiert werden.
Straße 1
Der erste Straßenbefund lief von Nord-West nach Süd-Ost
auf den Eingang des Nebengebäudes zu. Diese Straße war
über eine Distanz von ca. 13 m erhalten. Es ist davon aus-
zugehen ist, dass in dieser Nutzungsphase ein Hauptweg in
Nord-Süd-Richtung zentral auf das Hauptgebäude der Vil-
la zuführte, von dem aus die Nebengebäude strahlenförmig
erschlossen wurden. Die Straße bestand wiederum fast aus-
schließlich aus gut kantengerundetem Flußkies sowie verein-
zelten Kalksteinen. Die Randbegrenzung der Straße erfolgte
über große Sandsteinbruchsteine. Mit dem Bau der zweiten
Straße wurde die erste Straße aufgegeben und durch die neu-
angelegten Straßengräben z.T. zerstört.
Straße 2
Die zweite Straße, aus Flusskies, Ziegelbruchstücken, verein-
zelten Rotsandsteinen sowie Architekturfragmenten verlief
von Nord nach Süd, parallel in einem Abstand von 6,5 m zur
Front der Nebengebäude. Die Randbegrenzung der Straße
erfolgte wie auch bei der ersten Straße über große Sandstein-
bruchsteine.
Der Befund überbaute Straße 1 (Befund 63) und durchschlug
die südliche Umfassungsmauer (Befund 18) auf einer Breite
von 5,5 m. Über eine Strecke von ca. 18 m wurde die Straße
auf ihrer Westseite von einem Straßengraben flankiert. Die
Zuwegung zu dem von uns untersuchten Wirtschaftsgebäude
(Befund 16) erfolgte dann vermutlich über einen um 90° ab-
winkelnden Weg. Es ist davon auszugehen ist, dass in dieser
Nutzungsphase zumindest zwei Nord-Süd-orientierte Wege
auf das Hauptgebäude der Villa zuführten, die in eine paral-
lel zum Haupthaus der Villa gelegene Straße mündeten.
Straße 3
Ein dritter Straßenbefund führte bogenförmig von Nord-
West auf die Südmauer der pars rustica zu. Der Befund durch-
schlug dabei die südliche Umfassungsmauer. Der Durchgang
durch die Mauer war am östlichen Straßenrand z.T. durch
eine Steinsetzung aus Buntsandsteinblöcken (mit Klam-
merlöchern) begrenzt worden. Der Befund von ca. 3,75 m
Breite bestand aus einer sandigen Matrix mit kleinteiligem
Bauschutt aus Ziegelbruch, Mörtelbrocken, Architekturtei-
len, Sand- und Kalksteinbruchsteinen. Eine relativchrono-
logische Zuordnung zu den anderen Straßen konnte nicht
erfolgen.
Straße 4
Der vierte Straßenbefund verlief parallel vor der südlichen
Umfassungsmauer und damit ausserhalb der ummauerten
Domäne. Der Befund war lediglich über eine Distanz von ca.
7 m erhalten, bevor er im Osten durch den Verlauf von Straße
3 bzw. durch neuzeitliche Gerbereibecken im Westen zerstört
wurde. Die Straße dürfte zu einer der früheren Nutzungspha-
sen der Anlage gehören. Der sorgfältig ausgeführte Straßen-
damm bestand ausschließlich aus gut kantengerundeten klei-
nen Kieseln und einer Randbegrenzung aus Bruchsteinen.
Nebengebäude (G 12)
Der Schwerpunkt der Untersuchung galt dem als Neben-
bzw. Wirtschaftsgebäude anzusprechenden Bauwerk. Der
Befund maß in Nord-Süd-Richtung 15 m und in Ost-West-
Richtung 11,5 m. Mittig in der Westwand befand sich ein
Eingang von ca. 3 m Breite. Eine originale Schwelle war nicht
mehr vorhanden. Unklar bleibt, ob an der gegenüberliegen-
den Ostwand auch ein Eingang existierte und das Gebäude
zur Durchfahrt geeignet
war 25.
Das aufgehende Mauerwerk
war bis zu einer Höhe von ca. 65 cm erhalten. An zahlrei-
chen Stellen der Fassade konnte ein Verputz mit einem Fu-
genstrich nachgewiesen werden, der ein regelhaft gemauertes
Bild der Fassade imitieren sollte. Die Süd-Ost-Ecke des Ge-
bäudes war durch einen rezenten Abwasserkanal gestört. Mit
Ausnahme einer rudimentär erhaltenen Steinsetzung konn-
te keine Innenraumaufteilung nachgewiesen werden. Diese
stellte vermutlich den Überrest einer Fachwerkfundamen-
tierung dar. In der Nord-Ost-Ecke des wurde eine hypokaus-
tierte Darre freigelegt. Ferner befanden sich drei Herd- bzw.
Feuerstellen in der nördlichen Gebäudehälfte. Der mittlere
Teil scheint außer zum Zwecke der Einfahrt nicht weiter ge-
nutzt worden zu sein.
Das Gebäude scheint in einer ersten Phase zur Verarbeitung
von Feldfrüchten gedient zu haben. Innerhalb des Gebäudes
zeichneten sich vor dem Eingang kreisrunde Pfostenstruk-
turen klar vom umgebenden Boden ab. Diese sind zweifels-
frei der letzten Nutzungsphasen des Gebäudes zuzuordnen
und trugen vermutlich ein hölzernes Zwischengeschoß resp.
hölzerne Einbauten. Während dieser letzten Nutzungspha-
se des Gebäudes kann die Einfahrt nicht mehr in Funktion
gewesen sein, da ein Teil der Pfosten die Zufahrt zum Ge-
bäude blockierte. Der südliche Teil wies keinerlei Befund-
strukturen auf. Auffällig war hier jedoch die große Zahl an
Bruchsteinen die flächig eingebracht schienen. Nach dem
Abtiefen des Planums auf das erste Nutzungsniveau zeigte
25
Die öffnung der Westwand lag einheitlich bei 191,05 m NN. Die ostwand des
Gebäudes war z.T. bis auf den Fundamentvorsprung rasiert und der Bereich ei-
ner evtl. Leibung stark gestört, sodaß keine Aussagen zu einem ursprünglichen
Eingang gemacht werden konnten.