Full text: Empreintes 03

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Empreintes 
2010 
GRABUNGSKAMPAGNE	2008 
Im Zuge der Ausgrabungen im Jahre 2008 kamen vorwie- 
gend römische Befunde und Funde zutage. Einzige Ausnah- 
men bildeten einige kleinere Gruben, in denen sich geringe 
Mengen rostbrauner resp. anthrazitfarbener Grobkeramik 
befand, die der Laufelderkultur  16 zuzuordnen ist. Eine flächige 
Besiedlung des untersuchten Bereiches während der späten 
Hallstattzeit scheint jedoch 
unwahrscheinlich 17. 
Auf der ge- 
samten Grabung konnte über allen römischen und den we- 
nigen vorgeschichtlichen Befunden ein bis zu einem Meter 
mächtiges Kolluvium festgestellt werden, das als Erosions- 
material der umliegenden Höhen zu interpretieren ist. Als 
Ursachen einer solch starken Erosion kommen neben extre- 
men Wetterereignissen sicher auch die konsequente Abhol- 
zung der umliegenden Höhen in 
Betracht. 18 
Klar erkennbar 
ist, daß das Erosionsmaterial nach Westen hin weniger mäch- 
tig wird und schließlich ausdünnt. Hinsichtlich der Datierung 
steht fest, daß sich die Ablagerung relativchronologisch in 
den Zeitraum nach Aufgabe der Villa und vor Entstehen ei- 
ner landwirtschaftlich geprägten Siedlung im 10. Jahrhundert 
einordnen 
lässt 19, 
welche im Zuge der archäologischen Gra- 
bung im „Deechensgaart“ nachgewiesen werden konnte. 
Die römischen Befunde der Grabung von 2008 lassen sich 
grob in zwei Bereiche (nachfolgend Komplex A und B) unter- 
teilen, die zwar beide dem Wirtschaftshof der römischen Vil- 
la zuzurechnen sind, deren näherer Zusammenhang jedoch 
nicht geklärt werden konnte. 
Bei Komplex A handelte es sich um einen langrechteckigen 
ummauerten Bereich, der auf einer Fläche von ca. 1600 qm 
freigelegt wurde. Die Anlage war Nord-Süd orientiert und 
wies eine Ost-West-Ausdehnung von 26 Metern sowie eine 
Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 65 Metern auf. Die Gesamt- 
ausdehnung muss unklar bleiben, da der Abschluss nach Nor- 
den nicht im Bereich der untersuchten Fläche lag. An der Süd- 
Ost-Ecke befand sich ein ca. 5 x 4,3 m großer Anbau, dessen 
nähere Funktion nicht geklärt werden konnte, da innerhalb 
des Befundes keine antiken Laufschichten mehr existierten. 
Die das Areal umgebende Mauer wies im Aufgehenden eine 
Mauerbreite von ca. 50 cm auf, die sich im Fundamentbe- 
reich auf ca. 90 cm verbreiterte. Das aufgehende Mauerwerk 
bestand größtenteils aus Gilsdorfer Sandstein sowie Mu- 
schelkalkstein. Als Mörtel fand ein weißer, fester Kalkmörtel 
mit sehr viel Feinkies Verwendung. Der Fundamentbereich 
bestand ausschließlich aus gut kantengerundeten Flusskies- 
geröllen. Innerhalb dieses ummauerten Bereiches sowie öst- 
lich davon, konnte keinerlei Bebauung festgestellt werden, 
sodass sich die Datierung lediglich auf wenige Keramik- 
fragmente und Münzen stützt, die schon auf eine Nutzung 
seit der Mitte des 2. Jahrhunderts hindeuten. 
Westlich des Bezirkes konnten neben zwei sehr großen und 
einem kleineren Grubenbefund, eine Reihe Pfostenlöcher 
freigelegt werden. Eine der Gruben (Befund 50) enthielt 
eine eingliedrige Spiralfibel mit zurückgelegtem 
Fuß 20. 
Die 
Pfostenlöcher lassen sich vermutlich zu einem rechteckigen 
Grundriss von 6 x 12 m ergänzen. 
Bei Komplex B handelt es sich um einen L-förmig ummau- 
erten Bereich, der sicher als Fortsetzung des Wirtschafts - 
hofes der römischen Villa anzusprechen ist, der bereits auf 
der Grabung „Deechensgaart“ in den Jahren 1992-1993 
nachgewiesen werden konnte. Entlang der Ostmauer reih- 
ten sich die Nebengebäude der römischen Domäne auf. Die 
untersuchte Nord-Süd-Ausdehnung der Anlage betrug ca. 
45 m, die Ost-Westausdehnung ca. 34 m. 
Die Mauerbreite lag einheitlich bei ca. 55 cm. An der nörd- 
lichen Baugrubenwand war das aufgehende Mauerwerk nur 
noch in einer Lage erhalten. Die Südmauer war z.T. bis zu 
1,60 m hoch erhalten und wies einen Fugenstrich imitieren- 
den Verputz auf. Der Befund konnte aufgrund seiner Aus- 
richtung eindeutig als Fortsetzung der bereits auf der archäo- 
logischen Grabung „Deechensgaart“ gefundenen Strukturen 
angesprochen werden. Die östliche Umfassungsmauer der 
pars rustica ist somit über eine Länge von ca. 143 Meter doku- 
mentiert. Das auf der Grabung „Deechensgaart“ freigelegte 
Nebengebäude weist die gleichen Dimensionen wie das der 
Grabung Rue Alexis Heck auf. Der Abstand zwischen bei- 
den Gebäuden beträgt 86 m. Es ist davon auszugehen, dass 
zwischen den Gebäuden ein weiteres Nebengebäude lag. Der 
Abstand der Nebengebäude zueinander wäre demzufolge mit 
ca. 35 m anzunehmen. Parallelen bieten hier die römischen 
Villen in Echternach 
„Schwarzuecht“ 21 
mit 28 m, Bertrange 
„Bourmicht“ 22 
mit 35,5 m, Borg 
(D) 23 
mit 25 m und Rein- 
heim 
(D) 24 
mit ca. 40 m. 
16 
 WARiNGo (1995) 40ff. 
17 
 Prähistorische Funde konnten mit Ausnahme eines silex in Form einer proxi- 
malen, beidseitig retuschierten Mikroklinge nicht gemacht werden. inv. 2008- 
037/119 aus der Verfüllung von Befund 21 (LUREF X79561.83, y103685.80, 
z191.00). Für die Bestimmung des Fundobjektes sei meinem Kollegen 
François Valotteau herzlich gedankt. 
18 
 Das es im Laufe der zeit immer wieder zu Erdrutschen von den umliegenden 
Höhen kam, zeigt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit deutlich. so kam 
es am 01. Juni 1979, nach einem starken Gewitter zu einem Erdrutsch der große 
Teile der Clairefontainestraße unter sich begrub. Hierzu: HERR (1985) 468. 
19 
 Hierzu: unpubliziert Dokumentation der Grabung Diekirch, „Deechensgaart“ 
1992-1993, Nordprofil E, schicht 132 vom 15.06.1992, V. stead-Biver. 
20 
 Datierung: spätlatènezeitlich bis claudisch (Riha Typ 1.4). Hierzu: GAsPAR 
(2007) 81, Tafel 1: 4-9. 
21 
 METzLER (1981) 261ff. 
22 
 KRiER (2009) 13ff. 
23 
 FREy (2000) 41ff. 
24 
 PETiT (2005) 169ff., s R EANU-MüLLER (2000) 35.
	        
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