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Empreintes
2008
Abb. 2 Olivenlöffel (Detail der ziselierten Seite), Musée national d’histoire et
d’art Luxembourg, 2005-021/001 (© MNHA).
Schmuck, Bestecke, Geschirr und andere Gebrauchsstücke,
mit und ohne Wappen, sowie einige ausgefallene Sammler-
stücke. Zwei in Luxemburg ansässige Käufer werden er-
wähnt : „sont demeures audit Luxembourg, es mains de Mon-
sieur de Raville“ und „ont estez vendus a Luxembourg a Monsr de
Munechousen“.6
Während man für diese höfischen Goldschmiedearbeiten
eine Luxemburger Herkunft lediglich annehmen kann, wur-
de für den niederen Adel und das Bürgertum profanes Sil-
ber nachweislich in bedeutendem Umfang in Luxemburg
hergestellt. Dies vermitteln die Nachlass- oder Hausinven-
tare begüterter Familien Luxemburgs aus dem 17. und 18.
Jahrhundert.7
Die oft reichen Bestände enthielten sowohl re-
präsentatives als auch Gebrauchssilber. Das Spektrum reicht
von fast schmucklosen Besteckteilen über Schnallen, Knöpfe
und andere Schmuckstücke bis hin zu reich, teilweise mit
Wappen verzierten Prunkstücken wie Löffel, Schalen oder
Kannen. Leider haben sich diese Arbeiten, die häufig auch
Notgroschen der Familien waren, nicht sehr zahlreich erhal-
ten, denn in Kriegs-, Not- oder Krisenzeiten wurden sie häu-
fig
eingeschmolzen.8
Eine Auswahl der wenigen heute noch
bekannten Objekte wurde 2004/2005 gezeigt.
Abb. 3 Lilienstempel und Meisterzeichen des Olivenlöffels, Musée national
d’histoire et d’art Luxembourg, 2005-021/001 (© MNHA).
1
Toepfer Eva : Alte Goldschmiedekunst in Luxemburg. Meister – Marken – Werke.
Mit Beiträgen von Prof. Dr. Ernst Günther Grimme (†), Dr. Michel Schmitt und
Jean-Luc Mousset, erschienen anlässlich der Ausstellung „trésors insoupçon-
nés. Orfèvrerie ancienne au Luxembourg” im Nationalmuseum für Geschichte
und Kunst Luxemburg, Luxemburg 2004.
2
Vgl. zu den Konsequenzen für das luxemburgische Kunsthandwerk MousseT
Jean-Luc : Luxemburger Goldschmiedearbeiten im Spiegel der Geschichte
und der kunsthandwerklichen Besonderheiten des Landes, in : toepfer 2004,
S. 51-58.
3
Der Pokal wurde in Augsburg gefertigt, vgl. hierzu ausführlich die Katalognotiz
von E. toepfer und J.-L. Mousset in : MousseT Jean-Luc, De Jonge Krista (Hrsg.) :
Un prince de la Renaissance, Pierre-Ernest de Mansfeld (1517-1604). II Essais
et catalogue (Publications du Musée national d’histoire et d’art Luxembourg 1),
Luxemburg 2007, Kat. 67, S. 459-460.
4
Es handelt sich um ein Geschenk der Kinder von P. E. von Mansfeld, Karl und
Anna Maria, die sich für die Niederlassung der Kongregation Notre-Dame in
Luxemburg einsetzten. Seitdem ist das Stück im Besitz dieser Kongregation,
die es dem MNHA dankenswerterweise dauerhaft als Leihgabe zur Verfügung
stellt.
5
Vgl. pérez De TuDela Almudena, BerTini Giuseppe : Les relations artistiques
de Pierre-Ernest de Mansfeld avec la famille Farnèse et la cour de Philippe II
d’Espagne, in : MousseT / De Jonge 2007, 2.3, S. 55-62, hier S. 57.
6
L. S. [De liMBurg-sTiruM thierry ?] : Correspondance des Comtes de Mansfelt,
in : Messager des sciences historiques ou archives des arts de la bibliogra-
phie de Belgique, Gand 1877, S. 386-448, hier S. 437-448 (Dokument xxxII :
Inventaire des bijoux et tapisseries du comte de Mansfelt, décédé le 22 mai
1604) ; Veröffentlichung wurde neu abgedruckt in : MousseT Jean-Luc (Hrsg.) :
Un prince de la Renaissance, Pierre-Ernest de Mansfeld (1517-1604). I Le
château et les collections : sources d’archives (Publications du Musée national
d’histoire et d’art Luxembourg 1), Luxemburg 2007, 1.11, S. 193-200.
7
Drei Beispiele dieser Inventare sind abgedruckt in Toepfer 2004, S. 85-86 und
94-98 (Quellenanhang, Nr. 3-4). Vgl. hierzu auch Degen Ulrike : Profanes Silber
– eine vergängliche Kunst ? Überlegungen am Rande der Ausstellung „trésors
insoupçonnés. Orfèvrerie ancienne au Luxembourg”, in : Musée info. Bulletin
d’information du Musée national d’histoire et d’art, 17, Dezember 2004, S. 12-
14. Weitere Hinweise auf Besitz an Silber und Schmuck Luxemburger Bürger
finden sich in : Van WerVeke N. : Kulturgeschichte des Luxemburger Landes,
Bd. 3, Luxemburg 1926, S. 72-76. Eine umfassende Analyse der Nachlassin-
ventare steht noch aus.
8
Vgl. Degen 2004.