18
Das Silberstück ist mit dem bekrönten Meisterzeichen IMK
von Johann Michael Kutzer gestempelt, sowie mit dem
Luxemburger Stadtzeichen LB, dessen Bekrönung nur zu
erahnen ist. Darüber hinaus ist es mit dem Lilienstempel
als argent de Bruxelles gekennzeichnet. Dieses Silber hat ei-
nen höheren Feingehalt als das 13-lötige Silber (Augsburger
Standard), den die Luxemburger Goldschmiede in der Regel
für sakrale Arbeiten verwendeten, und als das vereinzelt auf-
tretende 14-lötige Silber (Abb. 3).
Nachforschungen haben ergeben, dass die Teedose bereits
2013 im Kunsthandel angeboten wurde. Allerdings konnten
zu diesem Zeitpunkt von dem Bonner Auktionshaus Von
Zengen die Stempel nicht identifiziert werden. Da es sich um
die bislang einzig bekannte Teedose aus Luxemburg handelt,
konnte man sie auch durch stilistische Vergleiche zunächst
nicht in Luxemburg verorten. Der Vorbesitzer hatte sie in
Frankreich erworben, weshalb man einen französischen Her-
stellungsort vermutete. Aus diesem Grund wurde auch das
MNHA damals noch nicht auf die Teedose aufmerksam.
Bei der Auktion im Juni vergangenen Jahres befanden sich
auf dem Stück noch später, vermutlich im 19. Jahrhundert
hinzugefügte Gravuren. Diese wurden jedoch im Auftrag des
Züricher Kunsthändlers Martin Kiener entfernt, bevor er die
Teedose dem MNHA zum Erwerb angeboten hat. Über diese
„restauratorische Maßnahme“ wurden dabei keinerlei Anga-
ben gemacht. Sie wurde jedoch auf Nachfrage des MNHA
bestätigt, nachdem das Stück sich bereits im Besitz des
Museums befand.
Die Teedose ist damit eines Teils ihrer Geschichte beraubt
worden, die nur noch durch die dankenswerterweise vom
Auktionshaus zur Verfügung gestellten Fotos dokumen-
tiert werden kann. Auf der Teedose befand sich auf der ei-
nen Seite ein Wappen sowie die altgriechische Devise αἰὲν
ἀριστεύειν (Vers aus Homers Ilias 6,208), was soviel bedeu-
tet wie „Immer der Beste sein“ (Abb. 4). Auf der gegenüber-
liegenden Seite war ein Emblem mit dem Kopf eines Bockes
eingraviert (Abb. 5). Diese Gravuren können Auskunft über
einen der früheren Besitzer der Teedose geben, wenn es ge-
lingen sollte, sie zu entschlüsseln.
Vor zehn Jahren fand im MNHA die Ausstellung „Trésors in-
soupçonnés. Orfèvrerie ancienne au Luxembourg“ statt, die
sich erstmals den in Luxemburg entstandenen Silberarbeiten
und den hier ansässigen Meistern widmete. Seitdem, vor al-
lem aber dank des begleitenden Buches von Dr. Eva Toepfer 4,
konnte das Museum nicht nur die beiden erwähnten Stü-
cke, sondern bereits zuvor einen Olivenlöffel (MNHA 2005-
021/001) und eine Kaffeekanne (MNHA 2005-115/001) von
Johann Michael Wunderlich (1748-1820) aus
Vianden5
sowie
eine Teekanne (2008-098/001) von Johann Michael Kutzer
6
erwerben.7
Diese Neuankäufe wären nicht möglich gewesen
ohne die gewissenhafte Bestandsaufnahme und die Ent-
schlüsselung der Meisterstempel und der von den jeweiligen
Werkstattinhabern verwendeten individuellen Stadtzeichen,
anhand derer die Objekte heute bestimmten Luxemburger
Goldschmieden zugeordnet werden können. Dies war umso
wichtiger, als Luxemburg lange kein Kontrollbüro hatte, das
den Feingehalt des wertvollen Materials überprüfte und so-
mit heute auch kein einheitliches Beschauzeichen auf eine
Luxemburger Provenienz hinweist. Ohne die grund legende
Arbeit von Dr. Eva Toepfer wäre vermutlich auch die Tee-
dose nicht wieder nach Luxemburg gekommen, wo sie einst
hergestellt wurde.<
Abb. 3 Meisterzeichen vom Johann Michael Kutzer, Luxemburger Stadtzeichen
und Lilienstempel auf dem Boden der Teedose, © MNHA Luxemburg
(Foto Tom Lucas)
4
TOEPFER Eva: Alte Goldschmiedekunst in Luxemburg. Meister – Marken –
Werke. Mit Beiträgen von Prof. Dr. Ernst Günther Grimme (†), Dr. Michel
Schmitt und Jean-Luc Mousset, erschienen anlässlich der Ausstellung „Trésors
insoupçonnés. Orfèvrerie ancienne au Luxembourg“ im Nationalmuseum für
Geschichte und Kunst Luxemburg, Luxemburg 2004. Mein herzlicher Dank gilt
Frau Toepfer auch für ausführliche Gespräche während der Entstehung dieses
Beitrages.
5
DEGEN Ulrike: Zwei repräsentative Silberarbeiten Luxemburger Herkunft, in:
Empreintes. Annuaire du Musée national d’histoire et d’art, 1/2008, S. 112-
115.
6
MOUSSET Jean-Luc: Le thé ou l’ouverture à l’Asie, in: Empreintes. Annuaire du
Musée national d’histoire et d’art, 2/2009, S. 124f.
7
Vgl. zu Luxemburger Goldschmiedekunst als Sammlungsgebiet des Museums
auch DEGEN Ulrike: Profanes Silber – eine vergängliche Kunst? Überlegungen
am Rande der Ausstellung „Trésors insoupçonnés. Orfèvrerie ancienne au
Luxembourg“, in: Musée info. Bulletin d’information du Musée national d’his-
toire et d’art, 17, Dezember 2004, S. 12-14 sowie DEGEN 2008.