24 museomag 02 ‘ 2020
DIE ARTILLERIE IN ALL
IHREN FACETTEN (1/2)
AM 11. MÄRZ NAHMEN SECHS EXPERTEN VERSCHIEDENE ASPEKTE DES THEMAS
LE CANON À LUXEMBOURG DU
XVE
AU
XVIIIE
SIÈCLE IN ANGRIFF
Nach einführenden Worten machte Emmanuel de
Crouy-Chanel mit La haquebute dans l’artillerie à l’aube
des temps modernes den Auftakt. Er sprach über die
Entwicklung und Verbreitung des Waffentyps der Ha-
kenbüchsen, eines kleinkalibrigen, halb tragbaren Ge-
schützes, im 15. und 16. Jahrhundert. Aufhänger und
zentrales Beispiel zugleich war eine Hakenbüchse aus
dem Jahr 1525, die in Amiens hergestellt worden war.
Das verrät der auf dem Lauf des Stücks eingeritzte
Name der Stadt. Die Hakenbüchse war bei archäolo-
gischen Arbeiten im luxemburgischen Brandenburg
zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt und wurde
in diesem Jahr vom Museum erworben. Der Fund un-
terstreicht Crouy-Chanels These, dass solche Waffen
aufgrund ihrer flexiblen Einsetzbarkeit zwischen den
Eigentümern zirkulierten. Dass die Stadt Amiens dem
König, der 1542-1544 Luxemburg mehrfach belagerte,
Waffentreue leisten und Material leihen musste, ist eine
plausible Erklärung für den Standort des Stückes.
Anschließend sprach Michael Depreter (Postdoctoral
Fellow, University of Oxford) zu L’artillerie au château
de Luxembourg : Enjeu de pouvoir à l’époque bourgu-
ignonne. Am Beispiel der Artillerie stellte er die Ver-
zahnung zwischen Technik, Organisation und Politik im
Reich der Burgunder dar. Im Herzogtum Luxemburg
existierten dafür günstige Bedingungen. Kanoniere
durchliefen eine besondere Ausbildung und galten als
qualifiziertes Spezialpersonal. Dabei hob Depreter die
Rolle des luxemburgischen Jean de Dommarien hervor,
der sich eigenständig zum Meister der burgundischen
Artillerie erklärte. In der Stadt selbst wurde eindrucks-
volles, schweres Geschütz hergestellt. Wissen war also
ebenfalls dort zuverorten. Das Schloss der Grafen von
Luxemburg sei zum regionalen Waffenlager ausgebaut
worden. Ein zweites Lager sei für die Vorbereitung der
Eroberung Nancys in Thionville angelegt worden.
DAS ARSENAL DER FESTUNG
UNTER MANSFELDS AMTSZEIT
François Reinerts Vortrag zu Mansfelds Kanonen leitete
in die Frühe Neuzeit über. Darin handelte der Conser-
vateur délégué à la direction M3E/MNHA das Arsen-
al der Festung Luxemburg unter der außerordentlich
langen Amtszeit Peter Ernst Mansfelds als Gouverneur
Das Musée Dräi Eechelen lud sechs Experten aus dem In- und Ausland ein – hier der Professor Emmanuel de Crouy-Chanel – zum
Anlass einer öffentlichen Tagung die unsere Sonderausstellung „Et wor emol e Kanonéier. L‘artillerie au Luxembourg“ abschliessen
sollte.