46 ZUR GESCHiCHTE Eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen den Verant- wortlichen des Service des Sites et Monuments Nationaux und dem Musée National d’Histoire et d’Art bescherte dem Musée Dräi Eechelen eine polychromierte Muttergottessta- tue aus Stein aus dem 17. Jahrhundert. 1624 ließ der Jesuitenpater Père Brocquart eine Holzsta- tue der Muttergottes auf einem unbebauten Vorplatz, dem heutigen Stadtteil Limpertsberg, im nördlichen Bereich der Luxemburger Festung gelegen, aufstellen. Bald darauf folgte der Bau einer Kapelle (Neipuertskapell) zwischen 1625 und 1628 auf dem Glacis, am Rand der leicht ansteigenden Erd- anschüttung, als neue Heimstätte der Holzstatue. Ein neues Tor wurde 1626 im nördlichen Bereich der Renais- sancefestung angelegt und 1636 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Holzmuttergottes aus der einsturzgefährdeten „Neipuertskapell“ wird in eine Nische über dem Neutor- bogen stadteinwärts verbracht. Einen ersten Höhepunkt der Marienverehrung markiert die Ernennung der „Tröste- rin der Betrübten“ 1666 zur Stadtpatronin. In diese Zeit ist auch die neue Muttergottes, eine Steinfigur, zu verorten, die alsbald die aedicula im Neutor ausfüllt1. Der Luxemburger Geschichte nicht unähnlich, so erlebt auch die Muttergot- tesstatue turbulente Zeiten, die mit dem Abriss des letzten Standortes am Haus Kirpach 1970 endet. Die Steinmadon- na kommt ins Depot der Luxemburger Denkmalpflege. Und hier schließt sich alsbald der Kreis. Denn das Original sollte nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt werden und man gab 20 Jahre später der Hochschule in Kassel den Auftrag Kopien anzufertigen. Eine dieser Kopien schmückt nun die moder- ne Nische im „neuen“ Neutor am alten Standort am Forum Royal. Das Original zierte den Treppenaufgang im Verwal- tungsgebäude der Denkmalpflege (SSMN), die drei Kopien der Steinmadonna in Auftrag gab. Am 13. Juli 2012 öffnete die Pforte des aus Ruinen einer Befestigungsanlage neu aufgebauten und mit modernster Museumstechnik ausgestatteten Museums auf dem Kirch- berg über die wechselvolle Luxemburger Festungsgeschichte. Ein Bestandteil der religions- und festungsgeschichtlichen Konzeption im ersten Ausstellungssaal des ehemaligen ös- terreichischen/preussischen Fort Thüngen sind das Grabmal des Francisco Verdugo (spanischer Statthalter 13.03.1537 – 22.09.1595), ein Ölgemälde aus dem 18. Jahrhundert, wel- ches Szenen einer katholischen Prozession zwischen Alt- und Neumünster zeigt und eine Steinmadonna, eine Leihgabe der Luxemburger Denkmalpflege. « Consolatrix Afflictorum », Eine Kopie für den Service des Sites et Monuments Nationaux Rainer Fischer, Lotte Maue Bild 1 Das Neutor mit dem vorgelagerten Glacis auf einem Plan von Romeyn de Hooghe, LUXEMBURGUM / DUCAT: COGNOM: METROPOL […], Amsterdam, Nicolaes Visscher ii, [1684/85], Foto MNHA, 2013