4 In den Sammlungen des Luxemburger Nationalmuseums für Geschichte und Kunst (Musée national d’histoire et d’art Luxembourg, MNHA) befindet sich eine kleine Gruppe bemer- kenswerter ägyptischer Objekte. Diese Gegenstände wurden der Section Historique de l’Institut Grand-Ducal 1 während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von mehr oder weni- ger bekannten Persönlichkeiten des Großherzogtums ge- schenkt. Sie spiegeln somit das große Interesse, welches dem „Land der Pharaonen“ spätestens seit dem Ägypten-Feldzug Napoleons (1798-1801) auch in Luxemburg entgegenge- bracht wurde. Abgesehen von zwei gut erhaltenen Mumi- enfragmenten fanden diese Luxemburger Ägyptiaca in der Ausstellung des Nationalmuseums jedoch nur wenig Beach- tung. Nach der Umgestaltung der Ausstellungsbereiche des MNHA während der 80er und 90er Jahre 2 des 20. Jahrhun- derts fielen sie in einen „Dornröschenschlaf“ in den Depots. Erst im Rahmen der Ausstellung Le Grand Ouvrage in der Lu- xemburger National bibliothek vom 12. Dezember 2003 bis 31. März 2004 (MANNES 2003, 255-262) wurden sie erneut der Öffentlichkeit präsentiert: teilweise durch Fotos im Aus- stellungskatalog, teilweise als Exponate in der Ausstellung selbst. Allerdings wurde bei diesem Anlass fast nichts zu den Objekten geschrieben, sie dienten lediglich als „dekorativer Blickfang“. Diese Situation sollte sich erst im Herbst 2012 ändern, als sich die Luxemburger Masterstudentin Manon Schutz (Uni- versität Oxford, vorher Universität Trier) für einen, in Le Grand Ouvrage abgebildeten Sargdeckel aus den Sammlungen des MNHA interessierte 3 und mit dem Centre National de re- cherche archéologique (CNRA-MNHA) Kontakt aufnahm. Bei der anschließenden Untersuchung dieses Sargdeckels aus der römischen Epoche Ägyptens nahm M. Schutz auch gleich die übrigen ägyptischen Objekte in Augenschein und initiierte – durch ihre kundige Beurteilung – eine Neuinventarisierung sowie die weitere Erforschung der Luxemburger Ägyptia- ca. An diesem vom MNHA geleiteten Projekt ist als Fach- wissenschaftlerin auch Dr. Heidi Köpp-Junk (Ägyptologie, Universität Trier) beteiligt, die durch ihren langjährigen Er- fahrungsschatz dafür besonders prädestiniert ist: Die Ägyp- tologin geht neben ihrer universitären Laufbahn bereits seit 1990 einer intensiven Ausgrabungstätigkeit für das Deut sche Archäologische Institut Kairo, das Roemer- und Pelizaeus- Museum in Hildesheim und andere Institutionen nach, wo- bei ihr umfangreiche Fundbearbeitungen wie z.B. die des Pyramidentempels in Dahshur oder des Königsgrabes des Pharaos Chasechemui in Abydos oblagen. Zusammen mit M. Schutz wird sie die Objekte untersuchen und ausführlich beschreiben. Weiterhin vermittelte sie wichtige Kontakte, so zu Dr. Katja Lembke (Direktorin des Landesmuseums Han- nover, D), die den Kontakt zu Restauratoren herstellte (siehe unten). Am Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (Reiss- Engelhorn Museen Mannheim, D) wurden verschiedene naturwissenschaftliche Analysen (Computertomographie, DNA, C14 usw.) durchgeführt, die weitere interessante Infor- mationen über die menschlichen Überreste liefern werden, z.B. zu ihrem Alter oder zum Mumifizierungsverfahren. Au- ßer den kunstgeschichtlich-archäologischen und den natur- wissenschaftlichen Untersuchungen sollen einzelne Objekte der Sammlung auch durch eine Restaurierung aufgewertet werden. Dies gilt vor allem für ein seltenes, sogenanntes Mumiennetz, welches der Diplomrestaurator Jens Klocke (Fachhochschule Hildes heim) wieder in einen präsentablen Zustand bringen wird. Schließlich ist das Ziel des gemein- schaftlichen Projekts nicht nur die Veröffentlichung der ägyp- tischen Sammlung des MNHA, zu der auch Bronzefiguren, Uschebtis und Perlenketten gehören, sondern auch diese lange Ägyptische Schätze – wiederentdeckt, restauriert, erforscht Das Musée national d’histoire et d’art Luxembourg und die Ägyptologie der Universität Trier starten ein gemeinsames Projekt zur Veröffentlichung der in Luxemburg befindlichen ägyptischen Sammlung H. Köpp-Junk, F. Dövener 1 Gegründet 1868, entstanden u.a. aus der Société archéologique bzw. der Société pour la Recherche et la Conservation des Monuments historiques dans le Grand-Duché de Luxembourg (ab 1845). – Diese Schenkungen sind in den Publications de la Section Historique de l’Institut Grand-Ducal (PSH) publiziert. 2 Der Umbau war auch eine Folge der Abtrennung der naturhistorischen Sammlungen zu einem eigenen Museum, dem Musée national d’histoire natu- relle (MNHN) zwischen 1986 und 1996. 3 Bereits 1873 war dieser Sargdeckel das Thema eines Vortrages des Luxemburger Altertumsforschers Johann Engling; dementsprechend wird die Luxemburger Forschungs- und Sammlungsgeschichte ein weiterer Aspekt des Projekts sein.