93 Empreintes 2010 des Standrings des Gefäßes eingeritzten Inschrift (Buchsta- benhöhe: 0,66 cm) sind nur wenige Schriftzeichen erhalten: „[- - -] TA VIVAS [- - -]“. Aufgrund der späten Zeitstellung könnte auch in diesem Falle angenommen werden, dass es sich um eine christliche Wunschformel handelt nach dem Schema: Name einer Frau („[- - -]ta“) mit der Formel „vivas [in Deo / in Christo]“ und eventuell einem Christogramm 51, womit dann ein weiteres frühchristliches Zeugnis aus Dal- heim bekannt wäre 52. Dass der frühchristliche Ziegelstempel aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts aus Moersdorf-„Sartdorf“ nicht völlig isoliert in seinem Umfeld steht, zeigt ein anderer be- deutender Fund aus der direkten Nachbarschaft. Bereits 1885 wurde bei Bauarbeiten im Innern der Substruktionen der al- ten Pfarrkirche St-Martin in Wasserbillig, am Zusammen- fluß von Sauer und Mosel, das Fragment einer frühchrist- lichen Chorschranke aus Kalkstein gefunden (RLMT Inv. 11 067) 53. Die Platte (Abb. 17) setzt sich aus aufeinander gereih- ten, durchbrochenen Halbbögen zusammen. Den äußeren Rahmen bilden glatte Stege, von denen der obere eine aus dem Alten Testament entlehnte Inschrift trägt: „[D]OCEBO VOS“ (= Ich werde euch lehren). Das Fragment, welches in der Regel ins späte 4. oder ins 5. Jahrhundert datiert wird, stammt am ehesten aus dem Kontext einer frühchristlichen Kirchenanlage unter der späteren Wasserbilliger Pfarrkirche. Mit dem Neufund aus Moersdorf-„Sartdorf“ haben wir so- mit zwei außergewöhnliche frühchristliche Zeugnisse der Spätantike aus einem Umkreis von weniger als 3 km vor uns. Diese überaus seltenen archäologischen Funde erklären sich in erster Linie durch die direkte Nachbarschaft zur spätanti- ken Kaiser- und Bischofsstadt Trier 54.< Abb. 17 Das Fragment der frühchristlichen Chorschranke aus Wasserbillig vor der Ergänzung (© Rheinisches Landesmuseum Trier) 51 Als gute Parallele bietet sich der 1968 in einem spätrömischen Gräberfeld im lothringischen Dieulouard-scarponne gefundene Ts-Teller mit dem Graffito „LEsTHiVs (?) ViVAT iN DEo“ und Christogramm an: C. BERTAUX, Le graf- fite chrétien de scarponne-Dieulouard (Meurthe-et-Moselle), in: La Lorraine antique. Villes et villages, Ausstellungskatalog Metz, Moulins-lès-Metz 1990, 62-63. – L’Année épigraphique 1968, 312. – RisToW a.o. 60 mit Anm. 347. 52 RisToW a.o. 60, 339 Nr. 96. 53 KEMPF, REUsCH a.o. 19-20 Kat.-Nr. 4 (E. FöRsTER). – GAUTHiER a.o. 559- 560 Nr. i, 240. – Religio Romana a.o. 269-270 Kat.-Nr. 74 (L. sCHWiNDEN). – DEMANDT, ENGEMANN a.o. CD-Rom Kat.-Nr. i.16.68 (L. sCHWiNDEN). – RisToW a.o. 170, 216, 434 Nr. 526 mit Abb. Taf. 51. 54 HEiNEN a.o. – W. WEBER, Archäologische zeugnisse aus der spätantike und dem frühen Mittelalter zur Geschichte der Kirche im Bistum Trier (3.- 10. Jahrhundert n. Chr.), in: H. HEiNEN, H.H. ANToN, W. WEBER (Hrsg.), im Umbruch der Kulturen, spätantike und Frühmittelalter, Geschichte des Bistums Trier Bd. 1, Trier 2003, 407-541, hier besonders 418- 483.