67 Empreintes 2008 man vier, mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnete Gespanne auf der Rennbahn ; die Wagen werden allerdings von Vögeln (Tauben, Enten, Flamingos und Perlhühnern) statt von Pferden gezogen (Abb. 4). Dieses Szenarium ist also keinesfalls „realistisch“ und die Wagenlenker, in deren schwungvollen Bewegungen man den Altrierer auriga wie- derzuentdecken meint, sind als jugendliche, kleinwüchsige Fantasiegestalten (Zwerge ?) zu verstehen. Allerdings bedeu- tet dies nicht, dass auch das Fundstück aus Altrier in diese Richtung interpretiert werden muß. R. Thomas zitiert proso- pographische Studien von G. Horsmann, die „erwiesen, dass es sich bei den Wagenlenkern in der Regel um Sklaven bzw. um Freigelassene handelte. Diese fingen ihr Training […] be- reits im Kindesalter an“9. Vor diesem Hintergrund sind nun weder die Jugendlichkeit noch das durch die Frisur gekenn- zeichnete fremdländische Aussehen unseres Wagenlenkers weiter verwunderlich. Der kleine Wagenlenker aus Altrier wurde im Umfeld eines Heiligtums mütterlicher Gottheiten gefunden10. Von dort stammt auch der Rest eines Knabenkopfes aus Terrakotta (Abb. 5). Ob die beiden Statuetten einst als Votivgaben für jugendliche Kultbegleiter der Göttinnen gedacht waren, läßt sich aufgrund der bisherigen Erkenntnisse nicht sagen. R. Thomas schließt Weihegaben als Funktion der aufwen- digeren Wagenlenker-Statuetten jedenfalls nicht aus 11. In die- sem Zusammenhang ist von Interesse, daß der Circus Maxi- mus in Rom u.a. mit einer bei Tertullian (ca. 160-220 n. Chr.) erwähnten Kybele-Statue auf der spina, d.h. der Mittelachse der Arena, geschmückt war. Diese Figur taucht bei mehreren Circus-Darstellungen, vor allem in Mosaiken, immer wieder auf 12. Diese Assoziation mit der Magna Mater mag auch in Altrier ausschlaggebend für den Besitzer (Stifter ?) der Bronze- statuette gewesen sein.< Abb. 4 Wagenlenker aus der Villa del Casale (© MNHA). Abb. 5 terrakotta-Fragment : Knabenkopf aus Altrier (© MNHA).