56 Die Venus aus Schandel ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie im provinzialrömischen Bereich Charakteristika unter- schiedlicher Darstellungstypen einer Gottheit miteinander verschmelzen konnten 4. Die Darstellung der Göttin ist ohne Zweifel als eine Variante der nackten Venus Anadyomene anzu- sehen, in welche Elemente der so genannten Venus Pseliumene eingeflossen sind. Typologisch stellen eine Bronzestatuette aus Gunskirchen (Österreich) 5 (Abb. 2) sowie eine weitere im Musée d’Art et d’Histoire in Genève (Schweiz) 6 gute Paral- lelen zu dem Neufund aus Schandel dar. Im Fundrepertoire unseres Raumes sind Bronzestatuetten der Göttin Venus relativ selten. Neben der neu gefundenen Venus aus Schandel besitzt das Luxemburger Nationalmu- seum nur eine einzige weitere Bronzestatuette der Göttin (Abb. 3). Es handelt sich dabei um das 10,7 cm hohe Exemplar einer nackten Venus mit Klappspiegel in der Rechten, wel- ches im 19. Jahrhundert im belgischen Pinsamont (heutige Commune de Sainte-Ode), westlich von Bastogne, im Be- reich einer römischen Siedlungsstelle gefunden wurde und 1863 als Geschenk von G.J. Germain in die Sammlungen des Luxemburger Museums gelangte 7. Für das Fragment einer zierlichen Statuette der Venus Ana- dyomene aus weißem Marmor (Alabaster ?) konnte die ur- sprüngliche Provenienz noch nicht ermittelt werden 8 (Abb. 4). Der Torso einer Kalksteinstatuette der Venus wurde am 2. Mai 1990 bei den Ausgrabungen in der römischen Villa von Walferdingen-Helmsingen-„Sonnebierg“ entdeckt 9 (Abb. 5). Ein ganz außergewöhnliches Stück stellt die 2003 gefundene beinerne Venus-Nadel (erhaltene H. 9 cm) aus dem Dalhei- mer Theater dar 10 (Abb. 6). Auch auf Viergöttersteinen un- serer Region ist Venus gelegentlich dargestellt, wie z.B. auf dem nur bei A. Wiltheim (1604-1684) überlieferten Sockel vom Helperknapp 11 (Abb. 7). Ansonsten liegen hauptsächlich Abb. 2 Venus aus Gunskirchen, österreich, Repro nach Fleischer (Anm.5) taf. 40.  4 Zur typologie der bronzenen Venus-Statuetten siehe : A. LEIBUNDGUt, Die römischen Bronzen der Schweiz, III, Westschweiz, Bern und Wallis, Mainz 1980, 54-56 Nr. 49-50 mit taf. 68-71. – H.-J. KELLNER, G. ZAHLHAAS, Der Römische tempelschatz von Weißenburg i. Bay., Mainz 1993, 45-52 Nr. 9-11, taf. 28-36. – LIMC VIII (Zürich / Düsseldorf 1997) 192-230 s.v. Venus (E. SCHMIDt).  5 R. FLEISCHER, Die römischen Bronzen aus österreich, Mainz 1967, 69-70 Nr. 73, taf. 40-41.  6 LEIBUNDGUt a.O. (Anm. 4) 56 Anm. 2.  7 E. WILHELM, Bronzes figurés de l’époque romaine, Musée d’histoire et d’art Luxembourg, 2e édition, Luxemburg 1975, 11 Nr. 15, 43 Nr. 15. – Die Statuette ist auch abgebildet bei A. ABEGG, Grab 2370. Eine wohlhabende Frau aus Belginum, in : Rheinisches Landesmuseum trier (Hrgb.), Gräber – Spiegel des Lebens. Zum totenbrauchtum der Kelten und Römer am Beispiel des treverer- Gräberfeldes Wederath-Belginum, Mainz 1989, 299-316, hier 310-312 mit Abb. 12 (unten).  8 E. WILHELM, Pierres sculptées et inscriptions de l’époque romaine, Musée d’histoire et d’art Luxembourg, Luxemburg 1974, 68 Nr. 441.  9 Rapport d’activités du Musée National d’Histoire et d’Art (couvrant la période du 1er janvier au 31 décembre 1990), Publ. Sect. Hist. 108, 1992, 557-606, hier 562, 597 (Abb.). – Auch erwähnt bei J. KRIER, Helmsange, du palais romain à l’habitat mérovingien, Archéologia n° 328, Novembre 1996, 46-53, hier 50. – Ders., Romains et Francs à Helmsange, in : Administration commu- nale de Walferdange (Hrgb.), 150 Joer Gemeng Walfer, Walferdingen 2000, Bd. II, 334-343, hier 338. 10 J. KRIER, Ein seltener Neufund aus dem römischen theater in Dalheim, Musée Info n° 18, Décembre 2005, 60. 11 A. WILtHEIM, Luciliburgensia sive Luxemburgum Romanum, ed. A. NEyEN, Luxemburg 1842, 287 mit taf 83 Abb. 363. – E. ESPÉRANDIEU, Recueil géné- ral des bas-reliefs, statues et bustes de la Gaule romaine, Bd. V, Paris 1913, 349-351 Nr. 4227.