52 Ein schwieriges Problem bildet die Rekonstruktion der Vor- lagen. Nach dem Rezeptionsablauf handelte es sich am ehes- ten um Gefäße aus Edelmetall, auf denen unter den wenigen erhaltenen Beispielen vergleichbare Motive häufiger begeg- nen, und die offenbar auch ihrerseits wieder abgeformt wur- den. Die hier betrachteten Motive dürften in hellenistischer Zeit, also entweder nach Aussage der Formensprache im frü- hen 3. Jh. oder im 1. Jh. v. Chr. entstanden sein 16. In den In- nenemblemen von Silberschalen aus dem Sadovyj-Kurgan in Südrussland, die in das 1. Jh. v. Chr. oder auch später datiert werden, erscheinen Bilder, die Motiven auf den übrigen Bild- seiten der Basis im Vatikan ähneln 17. Die Verbindung zwi- schen Werken der Toreutik und der Basis muss deshalb nicht verwundern. Umgekehrt sind die Übernahmen von Motiven der Toreutik in den Schmuck von Tongefäßen gut belegt. Szenen der Landwirtschaft haben in den Nordwestprovin- zen besonders an Grabdenkmälern in einer großen Zahl an Varianten weite Verbreitung gefunden. Dabei wird die Effi- zienz des Ackerbaus oder auch der Viehwirtschaft betont. Spezifisch bukolische Fassungen, in denen die Tätigkeit des Hirten oder Landmanns in einer verklärenden Weise wieder gegeben wird, finden sich aber im Bestand dieser Denkmäler nur selten. Abb. 6 Luxemburg, Privatsammlung Luxemburg, Gemme wahrscheinlich aus Dalheim (nach Gipsabguss, © MNHA). 16 C. REINSBERG, Studien zur hellenistischen toreutik, Hildesheimer Ägyptolo- gische Schriften 9 (Hildesheim 1980) 28ff. Abb. 12-16 ; VON HESBERG a.O. (Anm. 11) 12f. Abb. 3.8. – Andere Wege werden von G. Hafner, Hellenistische Kunst auf römischen Lampen, in : Ganymed, Heidelberger Beiträge zur antiken Kunstgeschichte, Hrsg. R. HERBIG (Heidelberg 1949) 42ff., beschrieben. 17 F. FLESS, H. VON HESBERG, A. St. SKRIPKIN, Silbergefäße aus dem Sadovyj- Kurgan am Unterlauf des Don, in : Festschrift 5 Jahre wissenschaftliche Zusammenarbeit der Universitäten Köln und Wolgograd (Köln 1998) 158ff. Abb. 1-8. 18 R. FELLMANN BROGLI, Gemmen und Kameen mit ländlichen Kultszenen (Bern 1996) 174ff. Nr. G 119.197.204.219. 19 R. WEILLER, Intailles antiques découvertes au Grand-Duché de Luxembourg, Publications de la Section Historique de l’Institut Grand-Ducal de Luxembourg 94, 1980, 229 Nr. 71 (mit Liste der weiteren Wiederholungen aus den Nordwestprovinzen), taf. 6 Nr. 71. 20 A. LEIBUNDGUt, Die römischen Lampen in der Schweiz (Bern 1977) 157f. 224 Nr. 198-200 taf. 35. 21 W.BOPPERt, Zivile Grabsteine aus Mainz und Umgebung, CSIR Deutschland II 6 (Mainz 1992) 95f. Nr. 52 taf. 34 (mit einer Fülle weiterer Hinweise).